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Der Februar

Adelaide und Umgebung

Geschrieben am 26.02.07 5:34 von alex:

In South Australia angekommen, mussten wir erstmal die Uhren eine halbe Stunde zurückstellen, denn dort gilt eine andere Zeitzone (incl. Sommerzeit jetzt MEZ +9,5). Dann haben wir versucht, die Frau anzurufen, die uns sagen sollte, wie wir zum Orangenjob kommen sollen, aber die war nicht zu erreichen. Da es schon recht spät war, haben wir erstmal einen Campingplatz gesucht.

Am nächsten Morgen (Mo) war die gute Frau immer noch nicht erreichbar, also haben wir noch etwas telefoniert und beschlossen, erstmal ins McLaren Vale südwestlich von Adelaide zu fahren, in der Hoffnung dort einen Traubenjob zu bekommen. Nach etwa 50km Fahrt auf dem Highway passierte es dann: plötzlich tauchte auf einer Kuppe ein weißer PKW auf meiner Spur auf, der mir entgegenkam. Um einen Aufprall zu verhindern musste ich reflexartig das Steuer nach links reißen, wobei mir Larry natürlich ausgebrochen ist (Tempo 100 ca.). Abfangen konnte ich ihn nicht, so dass ich mich um 180 Grad gedreht habe und rückwärts über beide Spuren Richtung Straßengraben geschlittert bin. Glücklicherweise war der Wald grade zu Ende und wir haben den letzten Baum nur gestreift, wobei wir uns nochmal um 90 Grad gedreht haben und dann neben der Straße zum Stehen gekommen sind.

Nachdem wir uns vergewissert haben, dass wir beide unverletzt sind, und dass auch den Leuten mitgeteilt haben, die sofort hinter uns angehalten haben, mussten wir feststellen, dass der Unfallverursacher über alle Berge war. Larry hatte sich allerdings ein bisschen verletzt: der linke Außenspiegel war abgeflogen, die Reifen waren voller Gras und Steine und die linkere Hintertür war eingedellt, die vordere Hintertür war nur etwas verkratzt. Im Innenraum ist eine Verkleidung rausgefallen, das Schlüsselband ist abgebrochen und es sind aus irgendeinem Winkel von Larry zwei Kinder-CDs aufgetaucht (:o!). Alles in allem hielt sich der Schaden also in Grenzen, zumal die B-Säule noch vollkommen intakt war (10 cm weiter und Larry wäre Schrott). Der Motor ließ sich noch starten und ich konnte problemlos ein Stück vor- und zurücksetzen. Nachdem noch zwei andere Leute in einem Pickup angehalten haben und uns angeboten haben, uns in die nächste Stadt abzuschleppen, was wir aber dankend abgelehnt haben, sind wir dann die 10km ins nächste Kaff gefahren, um einen Mechaniker und die Polizei aufzusuchen.

In Millicent angekommen haben wir zuerst der Polizei vom Unfall berichtet. Uns war im Voraus klar, dass die mit unserer Beschreibung des Täters ("weißer PKW") nicht viel anfangen konnten, aber melden muss man sowas ja trotzdem, vielleicht meldet er sich ja. Mangels Versicherung müssen wir die Schäden auch selber bezahlen -- Pech. Auf dem Weg zur Polizei war der linke Vorderreifen auf einmal platt, so dass wir erstmal den Reifenspezialisten Beaurepaires aufgesucht haben. Nach etwa einer Stunde hatte der unsere Reifen gereinigt und festgestellt, dass sie alle vollkommen in Ordnung sind -- 55$ fürs Reinigen, Überprüfen und Aufpumpen.

Danach haben wir uns von der Touriinfo zu einem Mechaniker leiten lassen. Der hat uns den Tipp gegeben, uns in einer größeren Stadt (Adelaide) nach einer Second-Hand-Tür in der richtigen Farbe umzugucken (mit Einbau etwa 250$). Die Karrosserie zu ersetzen würde 500-600$ kosten, das werden wir wahrscheinlich nicht machen. Außerdem hat er uns bestätigt, dass wir das Auto gefahrlos weiter fahren können (den Spiegel sollte man natürlich irgendwann ersetzen ;))

Da der Tag beinahe um war und wir auch keine Lust hatten, weiterzufahren, sind wir zu einem günstigen und sehr schönen Campingplatz gefahren.

Am Dienstag haben wir dann mit einigen Irrwegen die etwa 500km bis ins McLaren Vale zurückgelegt -- eine riesige Weinanbauregion in einer wunderschönen Landschaft. Dort haben wir erfahren, dass man evt. ab Ende der Woche Trauben pflücken kann -- na toll. Am Nachmittag haben wir dann auf dem Campingplatz endlich die Orangentante erreichen können und erfahren, dass wir nach Loxton kommen und am Donnerstag mit der Arbeit beginnen können.

Am Mittwoch nachmittag sind wir dann in Loxton angekommen und haben uns zum Camp leiten lassen. Dort angekommen wurde uns erstmal ein Vertrag mit allen Arbeitsbedingungen in die Hand gedrückt und das Camp gezeigt. Etwa eine Stunde später haben wir beschlossen, dass das Ganze etwas arg schäbig ist und sind zum Übernachten zum nächsten Campingplatz gefahren. Donnerstag sind wir dann wieder Richtung Adelaide gefahren. Eigentlich wollten wir in Waikerie einen anderen Orangenjob annehmen, aber ein Holländer hat uns gewarnt, dass dort absolut kein Geld zu machen ist. Übernachtet haben wir dann auf Freitag in Gawler kurz vor Adelaide. Freitag sind wir dann nochmal zwecks Internet nach Adelaide reingefahren. Nix besonderes, aber eine recht nette Stadt. Da sich auch beim Traubenjob, den wir in Aussicht hatten, noch nix getan hat, haben wir dann nachmittags beschlossen, erstmal zum Uluru zu fahren und danach nochmal nach Arbeit zu schauen.

P.S.: Mittlerweile haben wir die Flüge gebucht: am 12.06. geht es von Sydney los Richtung Bangkok, dann bleiben wir bis zum 02.07. da (ergo Urlaub auf den südl. Inseln incl. Fullmoonparty) und fliegen von Bangkok über Dubai weiter nach Düsseldorf, wo wir um 1325 landen.

MfG Alex

Great Ocean Road

Geschrieben am 26.02.07 5:33 von alex:

Am Sonntag sind wir dann abends wieder in Williamstown (Suburb von Melbourne) angekommen. Montag danach waren wir erstmal am recht netten Strand von Williamstown und sind dann noch in die Bücherei gegangen, um mit Hilfe des kostenlosen Internets nach Jobs zu suchen. Dienstag darauf (13.) sind wir mit dem Zug nach Melbourne reingefahren und haben erstmal die dortige Bücherei aufgesucht, wo es ebenfalls kostenlos Internet gibt, allerdings in schneller und mit WLAN ;)

Allzu erfolgreich war die Jobsuche allerdings nicht, obwohl mittlerweile etwa 10-15 Jobagenturen in der Umgebung unser Resume hatten, und es erging jedem Backpacker, mit dem wir Kontakt hatten, ähnlich. Anscheinend gab es einfach keine Jobs in Melbourne. Also haben wir den Mittwoch erstmal vergammelt. Abend haben wir dann noch Besuch von Thomas und Susan bekommen, die wir in Kyabram kennen gelernt hatten. Am Donnerstag sind wir nochmal nach Melbourne reingefahren -- einerseits um erneut die Bücherei zu nutzen, andererseits, um ein paar Sachen im Internetcafé hoch- und runterzuladen (das ging in der Bücherei nämlich nicht :\), und schließlich, um uns ein paar schöne Gebäude in Melbourne anzusehen, da die ganze Geschichte darauf hinauslief, dass wir irgendwo anders hinfahren, wo man Geld verdienen kann.

Zuerst wollten wir in Tasmanien Fruitpicken und das Ganze mit Sightseeing in Tasmanien verbinden (ursprünglich wollten wir nicht nach Tasmanien, ist auch recht teuer, da hinzukommen mit der Fähre usw.), aber dort beginnt die Saison erst Mitte März. Schließlich haben wir uns nach South Australia umorientiert, wo im Moment Trauben und Orangen gepflückt werden. Dann sehen wir auch Adelaide und können von da aus mit Larry zum Uluru fahren :)

Freitag waren wir dann nochmal in Melbourne, um uns ein paar weitere Sachen anzugucken, nämlich die Botanischen Gärten ("the finest of Australia and among the finest of the world" -- aus dem Lonely Planet und er hat ziemlich recht 8)) und St Kilda (ein wunderschöner Strand und ein paar hübsche Cafés... ist ziemlich viel los da und eine der schönsten Gegenden Melbournes). Freitag nachmittag haben wir dann auch eine Quasi-Jobzusage fürs Orangenpicken bekommen und haben beschlossen, Samstag morgen über die Great Ocean Rd Richtung South Australia aufzubrechen.

Samstag ging es dann los ... erstmal aus Melbourne raus Richtung Geelong und kurz dahinter fängt die Great Ocean Rd an -- eine der schönsten Küstenstraßen der Welt. Zunächst geht es über gerade Highways Richtung Küste, aber sobald man da ist, wird die Straße zu einer bergigen, kurvigen (und dementsprechend spritschluckenden) Straße, von der aus man fast immer das Meer sieht. Strand ist fast immer vorhanden und man passiert einige malerische kleine Dörfer und wunderschöne Lookouts, von denen man Felsformationen im Meer bestaunen kann.

Samstag abend haben wir in Princetown übernachtet, dem wohl kleinsten Dorf entlang der Great Ocean Rd, bestehend aus einem Shop und dem Office des dortigen Caravan Parks :o Dort haben wir erstmal Deutsche getroffen, die die Idee hatten, sich doch die etwa 10km entfernten "Twelve Apostels" (eines der Highlights der Strecke) im Sonnenuntergang anzugucken. Also sind wir gegen acht nochmal losgefahren, und es hat sich definitiv gelohnt -- s. Fotos ^^

Abends wurden wir dann an die Nachteile von Campingplätzen an Flüssen erinnert -- Mücken überall, und man kann nix dagegen tun. Sonntag morgen ging es dann durchstochen weiter auf die zweite Hälfte der Great Ocean Rd (dort sind die meisten Fotos entstanden) und dann direkt weiter Richtung South Australia.

Kyabram

Geschrieben am 13.02.07 2:14 von alex:

Der 17. und 18. verliefen ähnlich, sind halt etwas rumgefahren, haben Nummern von Jobs rausgesucht und telefoniert. Die letzte Option war dann endlich mal ein Erfolg... und zwar ging es um Birnenpflücken auf einer Farm in Kyabram, 200km nördlich von Melbourne. Der Farmer teilte mir mit, dass wir für 40$ die Woche zelten können und am Montag anfangen, sofern wir noch am WE hochkommen.

Da wir also noch etwas Zeit hatten, haben wir uns entschlossen, freitags die Australian Open anzusehen. Für 29$ bekommt man einen Ground Pass, mit dem in fast alle Arenen kommt, außer der Rod Laver Arena, wo die besten Spiele stattfinden. Für die vodafone Arena muss man ewig anstehen, also sind wir zum Margaret Court gegangen. Anfangs fand kein Spiel statt, da es kurz zuvor (natürlich) geregnet hatte. Die Balljungen waren zwar fleißig am Wischen und Fönen, aber es war halt schon viel Wasser, das weg musste. Beim nächsten größeren Schauer sind wir dann in den Eingangsbereich der vodafone Arena gegangen, dort konnte man essen und sich auf dem Fernseher das Spiel, was drinnen stattfand, ansehen. Immerhin. Nach einer Stunde oder so war es längere Zeit trocken und wir sind wieder in die Margaret Court Arena gegangen, wo nach einer weiteren halben Stunde Vorbereitungszeit das Match Azarenka-Jankovic begann. Die Stimmung war wirklich erstklassig und das Match war auch interessant. Im Anschluss spielten Arthurs gegen Fish, da Arthurs Australier war, wurde die Stimmung natürlich noch besser. Allerdings musste er nach wenigen Minuten verletzungsbedingt aufgeben. Wir sind dann wieder raus zur Matchübersicht und haben geguckt, ob wir noch Deutsche irgendwo sehen können. Auf den kleineren Courts haben wir dann das Ende vom Doppel von Gröhnefeld und das Doppel Pavel/Waske-Cibulec/Schüttler gesehen. Letzteres wurde aber auch balb regenbedingt abgebrochen -.- Da es danach schon sieben Uhr war, sind wir mit der Straßenbahn und dem Zug nach Hause gefahren.

Samstag morgen waren wir noch kurz in der Bücherei im (kostenlosen) Internet, u. a. um eine Wegbeschreibung nach Kyabram auszudrucken, die uns aber hinterher gar nix genützt hat, und haben uns danach auf den Weg gemacht. In Shepparton mussten wir dann dank der wie erwähnt tollen Beschreibung nochmal nachfragen und in Kyabram angekommen wussten wir natürlich nicht, wo die Farm ist, also haben wir dort auch noch einmal gefragt. Das Kaff ist größer als erwartet, es gibt immerhin einen Supermarkt und einen Subway oO Wir haben dann direkt mit dem Farmer gesprochen und er hat uns das Camp gezeigt, wo wir unser Zelt aufbauen können. In der Küche haben wir dann Deutsche aus Melbourne wiedergetroffen (einer von denen hatte direkt nach deren Ankunft erstmal eine Nationalflagge am Laternenmast gehisst ^^), ansonsten waren schon eine Französin und zwei Koreaner da. Über die Zeit füllte sich das Ganze... noch mehr Deutsche, noch mehr Franzosen, noch mehr Koreaner, ein Japaner, ein Finne, zwei Schweden. Samstag und Sonntag wurde dann gegammelt (d.h. Australian Open geguckt und Billigwein gesoffen).

Montag morgen ging es dann los mit der Arbeit. Jeder bekam einen Canvas Bag und einen Ring und wir wurden auf die Felder gefahren, wo schon die Leitern und die Bins bereitstanden, die mit Birnen zu füllen waren. Man musste also in die Bäume klettern, die Birnen in den Bag tun und jenen immer wieder in den etwa 1,50*1*1 m^3 leeren. Pro vollem Bin bekommt man 35$ Brutto. In der ersten Woche sollten nur die großen Birnen gepflückt werden, die nicht durch den Ring passen, hinterher alle. Pausen und Arbeitszeiten konnte man selber bestimmen (zwischen 0700 und 1700) und soviele Bins machen, wie man will. Am ersten Tag hat jeder von uns einen geschafft, am zweiten haben wir zusammen drei gemacht, am dritten Tag zusammen nur einen, weil in der Reihe, die wir bekommen hatten fast nix hing, was groß genug war.

(eine Woche später ...)

Viel neues hat sich nicht ergeben. Wir sind jetzt an die 40 Picker und dürfen jede Birne pflücken. Wir sind schon auf dem 4. Feld mittlerweile und es läuft halt -- im Moment ist es ziemlich heiß, so dass man gegen nachmittag immer langsamer wird.

(04.02.)

Allmählich leert sich das Camp hier und der Chef wird immer bescheuerter. Alkohol ist hier verboten und er hat sogar in einem Koffer gewühlt ... außerdem haben wir kürzlich erst erfahren, dass wir weniger Geld bekommen, wenn wir alles pflücken dürfen. Insofern werden wir auch mal nach etwas anderem suchen. Gestern haben wir quasi mit allen Leuten ein Riesenbarbeque veranstaltet und uns richtig zulaufen lassen mit Cuba Libre und Billigwein, heute wird sich dann ausgeruht. Im Moment ist es unglaublich warm, tagsüber kann man fast nix machen und zum arbeiten ist das natürlich scheiße.

(11.02.)

Allzu interessant war die letzte Woche nicht. Wir haben halt gearbeitet und es kommen immer wieder neue Leute. Gestern haben wir dann nochmal gegrillt und unseren letzten Abend gefeiert. Der betrunkene Todd hat im Verlaufe des Abends mit einem Fahrrad den Hahn unseres Wassertanks zerstört, nach einigen erfolglosen Versuchen mit Handtüchern und Zucchinis haben wir den herrausströmenden Wasserstrahl dann mit einem Socken gestopft. Heute fahren wir jedenfalls nach Melbourne auf den altbekannten Campingplatz und versuchen nächste Woche von dort aus Arbeit zu finden.